Wählen Sie Ihre Region

Fenster schließen
West- deutscher FK FK Bayern FK Mittel- deutschland FK Nordost FK Niedersachsen - Bremen FK Nord- deutschland FK Baden - Württemberg FK Hessen - Pfalz

Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

Förderkreis Bayern
Suche

Gewappnet für den Ernstfall: Oikocredit entwickelt Leitfaden zur Katastrophenvorsorge

Gewappnet für den Ernstfall: Oikocredit entwickelt Leitfaden zur Katastrophenvorsorge

Marilou Landscape.jpg03. Januar 2019

Aufgrund des Klimawandels sind einige unserer Partner und deren Kund*innen von schweren Überschwemmungen und Stürmen betroffen. Die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit entwickelte mit ihrem Partner ASKI ein Schulungsprogramm, dass Mikrofinanzinstitute (MFI) dabei unterstützt, Risiken für sich und ihre Kund*innen zu erkennen und Warnsysteme aufzubauen. Ein Notfallplan ermöglicht es den MFI im Ernstfall ihre Arbeit schnell wieder aufzunehmen. Darüber spricht Marilou Juanito, Oikocredits Beauftragte für Beratungs- und Schulungsmaßnahmen in Südostasien im Interview.

Nachdem Oikocredit erfolgreich ein Schulungsprogramm für Risikominimierung und – management im Katastrophenfall (Disaster Risk Reduction & Management, kurz: DRRM) in den Philippinen und anderen südostasiatischen Ländern durchgeführt hat, wird das DRRM-Schulungsprogrammjetzt auch auf Partnerorganisationen in anderen Ländern wie etwa Ecuador ausgeweitet. Zu diesem Zweck hat Oikocredit – mit und für Mikrofinanzinstitutionen (MFI) – einen praktischen Leitfaden zusammengestellt.

Warum ist Katastrophenvorsorge gerade für Mikrofinanzinstitutionen so wichtig?

Bei Naturkatastrophen erleiden MFI erhebliche Verluste, sowohl finanzieller als auch anderer Art, wie beispielsweise der Verlust von Karteien, Geschäftsbüchern und Unterlagen sowie Betriebsunterbrechungen durch Stromausfälle. Im schlimmsten Fall gibt es zahlreiche Todesopfer unter unseren Kund*innen. In jedem Fall muss mit Kreditausfällen und höheren Betriebskosten gerechnet werden. MFI fehlt es häufig an einem umfassenden Katastrophenplan, sie konzentrieren sich oftmals einzig auf Katastrophenhilfe und Wiederaufbau. Es ist jedoch unbedingt notwendig, dass sie im Katastrophenfall so schnell wie möglich wieder ihre Arbeit aufnehmen und ihre Kunden*innen betreuen können. Das erfordert neben Notfallmanagement auch Katastrophenvorsorge.  Unser Schulungsprogramm und der Leitfaden bieten hierfür Unterstützung.

Marilou Juanito ist Oikocredits Beauftragte für Beratung- und Schulungsmaßnahmen sowie soziale Wirksamkeit in Südostasien.

Wie unterstützt Oikocredit MFI bei der Katastrophenvorsorge?

Oikocredit unterstützt von Naturkatastrophen betroffene Partnerorganisationen seit Langem durch Solidaritätsfonds. Zur Bewältigung der gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen durch den Klimawandel hat Oikocredit 2014 den Punkt Katastrophenhilfe in ihre Umweltstrategie aufgenommen.

Uns geht es darum, unsere Partner dabei zu unterstützen, den Betroffenen sowohl sofortige Katastrophenhilfe als auch langfristige Unterstützung zu leisten. Das heißt unter anderem, dafür zu sorgen, dass sie schnellstmöglich wieder betriebsfähig sind. Unser Ziel mit dem DRRM-Programm ist, dass unsere Partnerorganisationen Katastrophenvorsorge und Geschäftskontinuitätsplanung in ihr breiteres Risikomanagement integrieren.

Wie können wir uns ein Training zur Risikominimierung und – management im Katastrophenfall vorstellen?

Katastrophenvorsorge hängt vom Standort und von der Art der Gefährdung ab. Das Training beginnt damit, dass die MFI erst einmal ihre eigene Situation kritisch einschätzen: Welchen Gefährdungen sind sie ausgesetzt? Welche Risiken sind damit verbunden, und welche Konsequenzen könnte das haben? Diese grundsätzlichen Fragen bilden die Grundlage der DRRM-Planung zur Katastrophenvorsorge.

So finden wir heraus, wie jede MFI vorgehen muss, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Mikrofinanzinstitutionen lernen, ein klares Ziel für die Wiederherstellungsdauer ihrer Arbeitsfähigkeit zu setzen, wie zum Beispiel: Wir wollen binnen 24 Stunden nach einer Katastrophe den Betrieb wiederaufnehmen.

Außerdem muss ein Notfallplan ausgearbeitet werden. Dieser enthält Punkte wie zur Verfügung stehende Ressourcen, Standorte von Notfallzentren und Krankenhäusern und auch Notfallkontaktlisten. Auch logistische Fragen wie Nahrungsmittel-, Wasser- und Notstromversorgung für die Mitarbeiter, falls diese das Gebäude nicht verlassen können, sind in dem Plan festgehalten.

Ferner lernen die Teilnehmer*innen, wie man eine Anrufkette von der Firmenzentrale bis zu Finanzzentren und Kund*innen in den betroffenen Gebieten organisiert. Hinzu kommt die Aufstellung von Finanzplänen, um jedes Jahr Budgetmittel für den Katastrophenschutz bereitzustellen. Auch die Nachbesprechung im Anschluss an Naturkatastrophen ist Teil des Programms.

Können Sie uns Beispiele für die Ergebnisse des DRRM-Programms in der Praxis nennen?

Unser Partner OCCCI erlebte gleich nach Abschluss unseres Trainings einen Katastrophenfall. Laut OCCCI hat sich die Anrufkette gut bewährt. Innerhalb kürzester Zeit konnten so alle Büros von OCCCI sowie die Kund*innen über den Notfall informiert werden.

Vor Kurzem habe ich eines der Finanzzentren unserer Partnerorganisation ASKI besucht und fragte bei der Gelegenheit eine ihrer Kundinnen, inwieweit sie vom Taifun Ompong betroffen war. Sie sagte, sie seien vorbereitet gewesen, da sie bereits drei Tage zuvor von ASKI gewarnt worden wären. Da der Reis bereits erntereif war, konnten sie diesen noch rechtzeitig ernten und so ihre Verluste reduzieren.

2016 war das Büro unseres Partners RPMI vom Taifun Haima verwüstet worden. RPMI musste seinen Betrieb an einen anderen Standort verlagern. Bei früheren Katastrophen dauerte es in der Regel eine Woche, bevor sie ihren Geschäftsbetrieb fortsetzen konnten. Nach Haima konnten sie dank eines Notfallplans bereits am nächsten Tag weiterarbeiten.

Im Oktober 2018 brach der schwere Wirbelsturm Yutu über die Philippinen herein. Unser MFI-Partner RPMI konnte dank seiner DRRM-Planung sein Krisenmanagement schneller und effektiver umsetzen. Am Tag nach dem Sturm wurden Hilfsgüter beschafft, verpackt und in die betroffenen Gebiete gebracht.

Auch das Angebot von Mikroversicherungen unterstützt MFI-Kund*innen im Katastrophenfall. So versorgt beispielsweise unser Partner Milamdec all seine Kund*innen mit Mikroversicherungen, als deren Häuser überflutet wurden, hatten sie Anspruch auf Schadensersatzleistungen. Unsere Partner CARD, ASHI und ASKI bieten ihren Kund*innen zum Beispiel Ernteausfallversicherungen.

Was bezweckt der DRRM-Leitfaden?

Dieser Leitfaden soll MFIs als praktische Anleitung dafür dienen, wie man sich durch Notfall- und Geschäftskontinuitätsplanung auf verschiedene Naturkatastrophen vorbereitet. Wir haben den Leitfaden in Zusammenarbeit mit unserem Partner ASKI (Alalay Sa Kaunlaran Sa Gitnang Luzon Inc.) entwickelt. Er erläutert das gesamte DRRM-Training und beschreibt, die zwölf Schritte zum Umgang mit Katastrophen. Die Erfahrungen aus der erfolgreichen Pilotphase wurden bereits bei drei Mikrofinanzpartnern in Südostasien – RPMI, ASKI und TSKI – umgesetzt.

Wir hoffen, dass dieser Leitfaden dazu beiträgt, dass MFI in jeder Hinsicht gerüstet sind, um künftigen Naturkatastrophen  wirkungsvoll begegnen zu können. Der Klimawandel ist hier. Extreme Wetterereignisse und Umweltkatastrophen werden immer häufiger. Wir müssen darauf vorbereitet sein. Eine leistungsfähige Katastrophenvorsorge senkt finanzielle Verluste und hilft den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, wenn sie es am nötigsten brauchen.

 

« Zurück